reflections

Cupnapping, oder: die Geiseltasse

Cupnapping V, oder: Entsorgung im Paradies (3. Teil)

7. Urlaubstag: Die letzte Chance!

Irgendwie muss man die Geiseltasse doch entsorgen können. Da war ich sicher. In Köln habe ich die Carla dann abgesetzt. Carla wohnt in Köln. Sonst hätte ich das natürlich nicht gemacht. Dann bin ich alleine weiter gefahren. Aber im Kopf hatte ich nur die Entsorgung der Geiseltasse. Hinter Euskirchen bin ich auf einen Rastplatz gefahren. So einen ohne Restaurant und Tankstelle. Aber mit Toilette.

Ich also runter von der Autobahn und rein in die Toilette. Zur Tarnung. So ein Rastplatzklo würde ich natürlich nie in echt benutzen. Wegen der Amöben und so. Die Geiseltasse hatte ich da schon in meiner Tasche versteckt. Auf der Toilette habe ich dann aus meiner Wasserflasche was in die Schüssel gekippt. Damit es echt wirkt. Und ich habe mit einem Tempo die Spülung gedrückt. Wegen der Fingerabdrücke. Das Tempo meine ich. Gespült habe ich wegen der Tarnung.

Dann habe ich die Geiseltasse in Klopapier gewickelt und in eine Plastiktüte getan. Die Tüte hatte ich mir schon an der Ostsee in einem Supermarkt besorgt. Wegen der Rückverfolgung. Auf dem Rückweg zum Auto habe ich das Paket in den Mülleimer geworfen. Aber nicht einfach so. Zuerst habe ich ganz unauffällig alles im Blick gehabt. Als niemand geguckt hat, habe ich das Paket entsorgt. Dann habe ich wieder unauffällig nach links und rechts geschaut und mich noch unauffälliger auf mein Auto zu bewegt. Angekommen bin ich aber nicht. Zumindest nicht unauffällig.

Da springt doch so ein Kerl aus einem LKW! Direkt vor mir und dem Mülleimer. Da habe ich mich sehr erschreckt und der sagt zu mir: Brauchen Sie Hilfe? Da habe ich mich noch mehr erschreckt, weil ich den gar nicht gesehen hatte. Vor lauter Schreck habe ich ihm meine Handtasche auf den Kopf gehauen und bin weggelaufen. Anders kann ich mir das nicht erklären. Das mit der Tasche meine ich. Dann habe ich gedacht, wenn die Geiseltasse gefunden wird. Dann ist das ein Kronzeuge.

Also bin ich wieder zurück und habe die Geiseltasse wieder aus dem Mülleimer geholt. Der Kerl hat mich so angeguckt als würde er sich mein Gesicht merken. Also habe ich ihm die Tasche aufs Auge gehauen. Nur so zur Sicherheit. Hoffentlich hat er sich nicht mein Autokennzeichen gemerkt. Aber der Gedanke kam mir erst zu Hause. Da war es dann zu spät.

Also Urlaub ist das wirklich nicht. Dieser Stress...

Doris

12.5.07 09:52, kommentieren

Cupnapping V, oder: Entsorgung im Paradies (2. Teil)

4. Urlaubstag: Aufgeben gilt nicht!

Ich gebe nicht auf. So ein Rückschlag wie auf der Hinfahrt ist ja nicht das Ende. Aber eines ist sicher: die Geiseltasse muss weg. Weit weg. Und was ist weiter weg als das Meer? Also habe ich eine neue Strategie entwickelt: Treibgut! Das habe ich bei Störtebecker und dem Seewolf gelesen. Ständig gehen Schiffe auf Grund oder sie explodieren. Dann werden die Schiffe an Land geschwemmt. Mit Inhalt. Aber eben nicht am Stück. Das nennt man dann Treibgut. Die Matrosen springen vorher über Bord und ertrinken. Das nennt man dann Wasserleichen. Treibgut ist das nicht.

Jedenfalls habe ich mir gedacht, dass meine Geiseltasse da gar nicht weiter auffällt. Zwischen den ganzen Resten von den toten Schiffen. Aber an unserm Strand war gar kein Strandgut. Nur leere Plastikflaschen und Algen und sonst so fieses Zeug. Das war mir zu riskant. Weil ja die Carla immer alles sieht. Der Strandmeister hat mir das auch erklärt. Das ist wegen der Kurtaxe. Weil die Leute die zahlen, wollen sie’s ordentlich. Deshalb werden nachts die Strandgüter immer weggeräumt. Und die Wasserleichen auch.

Aber ich zahle die Kurtaxe doch auch, habe ich gedacht. Und gesagt wohl auch. Jedenfalls hat der Strandmeister so komisch geguckt. Aber dann hat er gesagt, ich soll’s mal an einem wilden Strand versuchen. Weil man da keine Kurtaxe zahlt, wird da auch nicht aufgeräumt. Also bin ich hingefahren. Carla wollte nicht mit. Das fand ich ganz gut. Weil die ja immer alles sieht. Aber gesagt habe ich das nicht. Der Strand war dann gar nicht so unordentlich wie ich gehofft hatte.

Aber ich war schlau. Ich habe mich einfach in den Sand gesetzt und so getan, als würde ich aus der Tasse trinken. So eine halbe Stunde habe ich da gesessen. Minimum! Dann bin ich aufgestanden. Die Tasse habe ich einfach im Sand stehen lassen. Das fand ich ganz schlau von mir. Leider war ich nicht als Einzige schlau. Nämlich wie ich so ganz unauffällig zu meinem Auto gehen will, da ruft ein kleiner Junge: Maaaaaamaaaaa, die Tante hat ihren Müll liegen lassen. Ich habe mir dann ganz schnell die Geiseltasse gegriffen und was von Lieblingstasse gemurmelt. Und dann weg. Da heißt es dann immer, Kinder wären ein Segen. Finde ich nicht.

Also Urlaub ist das wirklich nicht. Dieser Stress...

Doris

10.5.07 07:44, kommentieren

Cupnapping V, oder: Entsorgung im Paradies (1. Teil)

1. Urlaubstag: Versuchen kann man’s ja mal.

Mir ist ganz elend. Ich hatte nämlich eine gute Idee. Fand ich zumindest am Anfang. Also als ich sie hatte meine ich. Jetzt finde ich das nicht mehr. Ich bin mit meiner Freundin Carla in Urlaub gefahren. An die Ostsee. Für eine Woche. Das ist eine lange Autofahrt. Da habe ich gedacht, da kann ich die Geiseltasse gut unterwegs verschwinden lassen. Merkt ja keiner. Und kennen tut die Geiseltasse da oben im Norden auch keiner. Da war ich mir sicher. Ich meine, falls sie gefunden wird.

Ich wusste auch schon genau wo. Hinter Osnabrück ist eine Raststätte. Da halte ich immer an. Weil die Raststätte über die Autobahn geht. Wie eine Brücke. Nur eben als Raststätte. Das finde ich aufregend. Außerdem ist da Selbstbedienung. Auch beim Abräumen. Da könnte ich die Geiseltasse doch gut drunter mischen. Also unter das ganze Geschirr. Hatte ich mir so gedacht.

Bereits auf dem Parkplatz hatte ich mir ganz gewitzt die Geiseltasse in die Handtasche gesteckt. Ohne dass die Carla was merkt. Nämlich als sie im Seitenspiegel ihr Make-up kontrolliert hat. Das macht sie immer. Deshalb wusste ich das. Drinnen habe ich einfach meinen Selbstbedienungs-Kaffee in die Geiseltasse gefüllt. Da war ich dann doch nervös. Aber es hat keiner was gesagt. Außer Carla. Die sieht alles und kommentieren tut sie dann auch immer. Eben auch das mit der Geiseltasse. Ich hab‘ dann gesagt: Och. Aus der eigenen Tasse schmeckt’s halt am Besten. Geht sie ja schließlich auch gar nichts an.

Nach dem Kaffee musste Carla natürlich gleich wieder auf Toilette. Aber das war mir ganz recht. Schnell habe ich einfach mein Tablett in den Selbstbedienungs-Abräumwagen gestellt. Die Geiseltasse habe ich einfach drauf stehen lassen. Das war der Trick dabei. Dann habe ich auf Carla gewartet. Besser hätte ich ihr Tablett auch abgeräumt. Weil Carla sieht ja immer alles. Auch das mit der Geiseltasse. Also kam sie mit ihr zurück. Also Carla mit der Geiseltasse meine ich. Die ganze Fahrt über hat sie darüber gesprochen. Von wegen Kopf verlegen und was ich ohne sie machen würde. Da hatte ich dann den Peter.

Also Urlaub ist das wirklich nicht. Dieser Stress...

Doris

8.5.07 23:19, kommentieren

Cupnapping IV, oder: Panik im Paradies

Dienstag

Mir wird das langsam alles zu viel. Die Geiseltasse einfach mitzunehmen war eine dumme Idee. Ich will diese Tasse nicht mehr in meiner Wohnung haben. Ständig starrt sie mich vorwurfsvoll an. Ich weiß nicht mehr ein noch aus. Ich kann sie ja nicht einfach in den Müll schmeißen. Wenn die jemand finden würde. Außerdem würde sie mich dann immer noch jedes Mal anstarren, wenn ich den Müll runter bringe. Ich könnte natürlich einfach einen Müllsack drauf werfen. Aber dann wüsste ich ja immer noch, dass sie da ist. Und unter dem Müllsack vorwurfsvoll guckt.

Jetzt habe ich immer ein bißchen Angst, wenn es klingelt. Es könnte ja Addi sein, oder Eva. Vielleicht kommen sie ja, um ihre Tasse zu suchen. Ich habe auch immer ein bißchen Angst, wenn die mich im Hausflur ansprechen. Ich gehe dann immer ganz schnell weiter. Gestern hat mich Eva so komisch angeguckt. So als ahnte sie was. Meine Nerven machen das wirklich nicht mehr lange mit.

Ich könnte die Geiseltasse natürlich im Wald verscharren. So habe ich das ja auch mit den Resten vom Erpresserbrief gemacht. Aber wirklich wohl ist mir nicht dabei. Was, wenn so ein kleines Kaninchen die Tasse ausbuddelt. Dann kann es mit dem Kopf in den Henkel von der Tasse geraten. Und stecken bleiben. So was passiert auch mit den Möwen und den Plastiktüten. Das sieht man doch so oft im Fernsehen. Das ist dann ein Elend. Dann guckt mich statt der Tasse ein Kaninchen vorwurfsvoll an. Dann doch lieber die Tasse. Die ist nicht so niedlich und fluffig.

Am Einfachsten wäre ja, wenn mich Addi und Eva zum Kaffee nach Hause einladen. Dann könnte ich einfach auf die Toilette gehen und die Tasse hinterm Klo verstecken. Das kann ja mal passieren, dass man da was hinstellt und dann vergisst. Aber ich fürchte, Addi und Eva sind nicht so für Einladungen zum Kaffee.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

28.2.05 17:13, kommentieren

Cupnapping III, oder: Befreigungskommando im Paradies

Samstag

Ich hatte eine Idee. So kann das mit der Geiseltasse nicht weitergehen. Langsam wird mir auch unwohl mit diesem lebenden Tassenbeweis in meiner Wohnung. Das meine ich natürlich sprichwörtlich. Ich glaube natürlich nicht wirklich, dass die Geiseltasse lebt. Ich bin doch nicht verrückt. Da hatte ich also eine Idee und habe mir gedacht, dass ich einfach einen Tassemaustausch vornehme. Ganz alleine, ohne dass es jemand sieht. Quasi informell. Wie der CIA.

Also habe ich die Geiseltasse in meine Jackenstasche gesteckt und bin rüber zu Addi und Eva. Dann habe ich geklingelt. Eva hat aufgemacht. Da habe ich sie freundlich gefragt, ob denn bei Ihnen an der Wand auch so ein wässriger Fleck ist. Unsere Wohnungen teilen sich nämlich eine Wand. Das war natürlich ein Trick, aber es wäre möglich gewesen. Schließlich hat es die Tage viel geregnet. Wäre gut möglich gewesen, dass es rein geregnet hat. Wenn, dann nicht zum ersten Mal. Eva hat gefragt, wo denn genau. Aber das konnte ich dann nicht so gut beschreiben, weil die ja meine Wohnung auch gar nicht kennt. Also hat sie gesagt, dass ich rein kommen soll, um es ihr zu zeigen. Uns schwups, schon war ich in der Wohnung drin.

Wo ich dann drin war, habe ich mit einem Auge auf den Weg geachtet. Aber mit dem anderen Auge, da habe ich auf das Geschirr geachtet. Ich wollte schauen, ob ich vielleicht meine Tasse sehe. Die hätte ich mir dann ganz schnell gegriffen und raus aus der Wohnung. Ich habe sie aber nicht gesehen. Genau genommen habe ich gar keine Tasse gesehen. Nur dreckige Teller. Mit Pizza drauf. Vielleicht hätte ich besser Morgens kommen sollen. Wegen dem Kaffeetrinken und so. Aber Addi und Eva gehen ja schon um 7 Uhr los zur Arbeit. Vielleicht mal an einem Sonntag.

Also habe ich schnell auf eine Stelle gezeigt und gesagt: Oh! Gut dass es bei Ihnen nicht rein geregnet hat. Na, dann schönen Tag noch. Dann bin ich ganz schnell wieder gegangen. Ohne meine Tasse. Und ohne Beweise. Aber mit der Geiseltasse.

Ich finde das alles sehr traurig. So viel Aufregung...

Doris

1 Kommentar 14.4.07 14:54, kommentieren

Cupnapping II oder: Misserfolg im Paradies

Dienstag

Jetzt habe ich die Geiseltasse schon so viele Tage und offensichtlich hat keiner etwas gemerkt. Das kann ich nicht verstehen. Die Geiseltasse ist nämlich viel schöner als die Tasse, die ich Addi und Eva damals geliehen habe. Und ich habe meine Tasse schließlich auch sofort vermisst. Ich habe mir schon überlegt, ob ich die Geiseltasse nicht einfach behalten soll und gut iss. Es vermisst sie ja schließlich keiner. Aber das wäre ja Klau und das ist keine anständige Art.

Ich wollte ja einen Erpresserbrief machen, um einen Tassenaustausch zu erzwingen. Aber das hat nicht geklappt. Erpresserbriefe klebt man ja bekanntlich und schreibt sie nicht. Wegen der Schrifterkennung, es gibt da Spezialisten. Kennt man ja von CSI. Ich hatte den Brief schon mehrfach fast fertig, aber dann hatte ich immer was vergessen. Oder es fiel mir eine bessere Formulierung ein. Dann musste ich immer alles abpusteln und neu kleben. Das hat nicht schön ausgesehen. Auch nicht an den Fingern.

Außerdem war die Entsorgung der Beweise etwas umständlich. Ich konnte das ja nicht einfach in meinen Papiermüll tun. Wegen der Spurensicherung und so. Kennt man ja von CSI. Da wär‘ ich doch voll aufgeflogen. Also habe ich mir gedacht: verteil das auf die Nachbarn. Aber das war keine gute Idee. Wir haben hier nämlich nur Grautonnen und Biotonnen. Der Papiermüll wird nämlich immer einmal im Monat abgeholt – ganz ohne Tonnen.

Deshalb gibt es in der Nachbarschaft gar keine Grüntonnen und ich konnte die Beweise ja schlecht in die Grautonnen schmeißen. Da Papier rein werfen, also das ist ja nun wirklich nicht korrekt. Da habe ich die Schnipsel dann im Wald vergraben. Das war wirklich kein Spaß. Bei dem Sauwetter in letzter Zeit und dann auch noch nachts. Wegen der Zeugen. Also habe ich das mit dem Erpresserbrief aufgegeben. Wegen der Gesundheit und so.

Ich finde das alles sehr traurig. In meinem Alter...

Doris

4.4.07 17:45, kommentieren

Cupnapping im Paradies

Sonntag

Gestern habe ich ganz tief in meine Seele geblickt und habe mich sehr erschrocken. Und das kam so: Am Samstag hatten Addi und Eva dann doch wieder eine Party. Aber ich hatte auch was vorgehabt. Manchmal ist das so. Deshalb kam ich erst viel später nach Hause. Aber nicht so spät, dass Addi schon geschrie’n hätte.

Im Hausflur standen ein paar von der Clique und haben geraucht. Ich mag das nicht. Nicht nur wegen dem Rauchen. Hätte ja sein können es sind Addis Freunde, denen hätte man dann ja nicht trauen können. Aber es waren wohl Evas, denn sie waren ganz nett. Wie ich da so nach oben stapfe, sehe ich mit einem Auge, dass die alle in eine Tasse aschen. Aber nicht meine Tasse, die hätte ich mir gleich geschnappt.

Aber wie ich so in meiner Wohnung bin, da habe ich mich doch irgendwie geärgert. Offensichtlich haben die ja eine Tasse – Minimum! Da hätten sie mir meine doch wiedergeben können. Na ja, vielleicht brauchen sie meine für die Milch und die andere fürs Aschen. Ist mir ja auch lieber als andersrum. Aber irgendwie hat es in meinem Kopf KLICK gemacht. Es war ein klicken der Wut.

Also habe ich hinter der Tür gelauscht. Und wie die alle wieder in die Wohnung sind bin ich raus in den Hausflur. Ratzifatzi habe ich mir die Aschentasse geschnappt und bin zurück in meine Wohnung gerannt. Man hat die gestunkten! Also die Tasse, nicht die Wohnung.

Jetzt habe ich auch eine Tassengeisel. Aber was ich damit jetzt eigentlich machen soll, weiß ich auch nicht so genau. Vielleicht klebe ich einen Brief in der ich einen offiziellen Tassengeiselaustausch vorschlage. Morgen kaufe ich mir eine Zeitung. Das macht man schließlich so. Entführungsbriefe schreibt man nicht, die klebt man.

Ich finde das alles sehr aufregend. In meinem Alter...

Doris

25.3.07 11:38, kommentieren



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