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Cupnapping II oder: Misserfolg im Paradies

Dienstag

Jetzt habe ich die Geiseltasse schon so viele Tage und offensichtlich hat keiner etwas gemerkt. Das kann ich nicht verstehen. Die Geiseltasse ist nämlich viel schöner als die Tasse, die ich Addi und Eva damals geliehen habe. Und ich habe meine Tasse schließlich auch sofort vermisst. Ich habe mir schon überlegt, ob ich die Geiseltasse nicht einfach behalten soll und gut iss. Es vermisst sie ja schließlich keiner. Aber das wäre ja Klau und das ist keine anständige Art.

Ich wollte ja einen Erpresserbrief machen, um einen Tassenaustausch zu erzwingen. Aber das hat nicht geklappt. Erpresserbriefe klebt man ja bekanntlich und schreibt sie nicht. Wegen der Schrifterkennung, es gibt da Spezialisten. Kennt man ja von CSI. Ich hatte den Brief schon mehrfach fast fertig, aber dann hatte ich immer was vergessen. Oder es fiel mir eine bessere Formulierung ein. Dann musste ich immer alles abpusteln und neu kleben. Das hat nicht schön ausgesehen. Auch nicht an den Fingern.

Außerdem war die Entsorgung der Beweise etwas umständlich. Ich konnte das ja nicht einfach in meinen Papiermüll tun. Wegen der Spurensicherung und so. Kennt man ja von CSI. Da wär‘ ich doch voll aufgeflogen. Also habe ich mir gedacht: verteil das auf die Nachbarn. Aber das war keine gute Idee. Wir haben hier nämlich nur Grautonnen und Biotonnen. Der Papiermüll wird nämlich immer einmal im Monat abgeholt – ganz ohne Tonnen.

Deshalb gibt es in der Nachbarschaft gar keine Grüntonnen und ich konnte die Beweise ja schlecht in die Grautonnen schmeißen. Da Papier rein werfen, also das ist ja nun wirklich nicht korrekt. Da habe ich die Schnipsel dann im Wald vergraben. Das war wirklich kein Spaß. Bei dem Sauwetter in letzter Zeit und dann auch noch nachts. Wegen der Zeugen. Also habe ich das mit dem Erpresserbrief aufgegeben. Wegen der Gesundheit und so.

Ich finde das alles sehr traurig. In meinem Alter...

Doris

4.4.07 17:45, kommentieren

Doris sagt ENTSCHULDIGUNG

Ich entschuldige mich für das verspätete Erscheinen des Dienstags-Blog.

Ich habe eine Woche Heilfasten  betrieben, das hat mich so durcheinandergebracht, dass die Tage aus den Fugen gerieten.
Liebe Leute, macht den Scheiß nicht nach, das ist nicht gut.
Heute habe ich den Ersten Cheeseburger (bei Tonis Grillhütte) inhaliert und jetzt geht es wieder. Die Welt hat mich zurück.

Vielen Dank, für die besorgten Mails. Ich bin zutiefst gerührt!

Mit "Doris blickt in die Welt" bin ich auch ein wenig in Verzug. Die gesellschaftspolitischkreativen Neuronen waren gestört. Heute Abend schlürfe ich ein kühles Blondes. Dann geht das wieder!

Peace im Paradies wünscht Doris

2 Kommentare 4.4.07 17:55, kommentieren

Klarheit im Paradies

Freitag

Ich bin ja so froh! Eva ist doch nicht tot. Gestern hat Addi wieder gebrüllt. Das tut er ja sonst nur bei Eva. Außerdem hat er ein paar mal laut und deutlich ihren Namen gebrüllt. Eine Eva Zwo die auch noch Eva heißt. Also das wär‘ ja nun wirklich ein dicker Zufall. Außerdem hat Eva wieder geheult und gerufen, dass sie dann eben geht. Egal wohin. Ich fand die Idee gar nicht so schlecht, aber auf mich hört ja keiner.

Der Addi hat zwei Stunden lang gebrüllt – Minimum. Mich hat das aber überhaupt nicht gestört. Um ehrlich zu sein, ich war fast ein bißchen erleichtert. Eva lebt. Wenn sie hinter den Paneelen gesteckt hätte, nicht auszudenken. Früher oder später wär‘ das aufgeflogen. Spätestens wegen dem Gestank und jetzt wird es ja auch wieder wärmer. Und dann: die Polizei, die Spurensicherung, die Psychologen und natürlich die Journalisten. Das ganze Haus voll. Und die Straße. Und dann die ganzen Fragen. Da ist man ja sofort auch irgendwie verdächtig. Das Ehepaar Kaplan vom ersten Stock, die hätten das ja gar nicht verkraftet in ihrem Alter. Wo der Herr Kaplan auch gar nicht mehr so gut zu Fuß ist.

Ich weiß gar nicht so genau worüber sie sich gestritten habe. Vielleicht weil Addi immer so viele Freunde zu Besuch hat und dann Eva hinterher immer alles sauber machen muss. Aber das ist die Eva selber schuld. Addis Freunden kann man nicht trauen. Das tut der Addi ja schließlich selber nicht. Das hat er mir damals mit dem Päckchen auch gleich gesagt. Eva hat er das bestimmt auch gesagt. Aber so ist das mit der Liebe. Sie macht taub und jetzt hat die Arme den Salat.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

3 Kommentare 6.4.07 13:10, kommentieren

Klopfen im Paradies

Dienstag (der Tag nach Ostermontag)

Gestern Mittag habe ich mich sehr erschreckt. Es hat an der Tür geklingelt. Genau genommen hat die Tür geklingelt, aber im Flur in meiner Wohnung. Wenn es an der Haustür geklingelt hätte, dann hätte ich das bei mir in der Wohnung ja gar nicht gehört. Aber das hat mich nicht erschreckt. Der Schrecken kam weil ich gar keinen Besuch erwartet habe. Deshalb hatte ich auch gar nicht aufgeräumt und das ist mir dann immer ein bißchen peinlich.

Als ich über die Gegensprechanlage gefragt habe, wer denn da ist – da hat keiner geantwortet. Vielleicht war ich auch ein bißchen langsam gewesen. Also bin ich zurück ins Wohnzimmer und wie ich so an der Wohnungstür vorbeikomme, sagt auf der anderen Seite eine Stimme: Ja wo ist das denn nur? Da habe ich mich wieder erschreckt und mich ganz schnell nicht mehr bewegt. Von unten kräht die Stimme von Frau Kaplan: Zweiter Stock links! Die lässt auch jeden rein, habe ich da gedacht.

Dann war ich aber doch erleichtert, weil ich ja nicht zweiter Stock links bin. Das sind Addi und Eva. Ich bin in der Mitte. Plötzlich ein lautes Klopfen an der Tür nebenan. Und dann sagt eine zweite Stimme: ich habe was gehört, die sind zu Hause. Und die zweite Stimme brüllt: Addi – ich weiß dass Du da bist! Mach auf Du Null! Ich habe mich nicht getraut mich zu rühren. Nachher sind das Verbrecher, oder Geldeintreiber. Selbst wenn es Freunde von Addi sind, damit will ich nichts zu tun haben.

Dann wieder klopfen und endlich sagt die Zweite nach einer Weile: Die sind unterwegs, komm wir gehen. Sind sie dann auch und ich konnte mich endlich wieder bewegen. Aber recht hatten sie nicht. Ich habe mich nämlich nach dem Schrecken auf meinem Sofa erholt. Da habe ich nebenan Gerumpel und Stimmen gehört. Addi und Eva haben mit voller Absicht nicht aufgemacht. So tief und fest können die nicht geschlafen haben. Schließlich war schon Mittag. So geht man doch nicht mit seinen Freunden um. Und auch nicht Leuten denen man Geld schuldet. Höchstens mit Verbrechern.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

2 Kommentare 10.4.07 18:13, kommentieren

Cupnapping III, oder: Befreigungskommando im Paradies

Samstag

Ich hatte eine Idee. So kann das mit der Geiseltasse nicht weitergehen. Langsam wird mir auch unwohl mit diesem lebenden Tassenbeweis in meiner Wohnung. Das meine ich natürlich sprichwörtlich. Ich glaube natürlich nicht wirklich, dass die Geiseltasse lebt. Ich bin doch nicht verrückt. Da hatte ich also eine Idee und habe mir gedacht, dass ich einfach einen Tassemaustausch vornehme. Ganz alleine, ohne dass es jemand sieht. Quasi informell. Wie der CIA.

Also habe ich die Geiseltasse in meine Jackenstasche gesteckt und bin rüber zu Addi und Eva. Dann habe ich geklingelt. Eva hat aufgemacht. Da habe ich sie freundlich gefragt, ob denn bei Ihnen an der Wand auch so ein wässriger Fleck ist. Unsere Wohnungen teilen sich nämlich eine Wand. Das war natürlich ein Trick, aber es wäre möglich gewesen. Schließlich hat es die Tage viel geregnet. Wäre gut möglich gewesen, dass es rein geregnet hat. Wenn, dann nicht zum ersten Mal. Eva hat gefragt, wo denn genau. Aber das konnte ich dann nicht so gut beschreiben, weil die ja meine Wohnung auch gar nicht kennt. Also hat sie gesagt, dass ich rein kommen soll, um es ihr zu zeigen. Uns schwups, schon war ich in der Wohnung drin.

Wo ich dann drin war, habe ich mit einem Auge auf den Weg geachtet. Aber mit dem anderen Auge, da habe ich auf das Geschirr geachtet. Ich wollte schauen, ob ich vielleicht meine Tasse sehe. Die hätte ich mir dann ganz schnell gegriffen und raus aus der Wohnung. Ich habe sie aber nicht gesehen. Genau genommen habe ich gar keine Tasse gesehen. Nur dreckige Teller. Mit Pizza drauf. Vielleicht hätte ich besser Morgens kommen sollen. Wegen dem Kaffeetrinken und so. Aber Addi und Eva gehen ja schon um 7 Uhr los zur Arbeit. Vielleicht mal an einem Sonntag.

Also habe ich schnell auf eine Stelle gezeigt und gesagt: Oh! Gut dass es bei Ihnen nicht rein geregnet hat. Na, dann schönen Tag noch. Dann bin ich ganz schnell wieder gegangen. Ohne meine Tasse. Und ohne Beweise. Aber mit der Geiseltasse.

Ich finde das alles sehr traurig. So viel Aufregung...

Doris

1 Kommentar 14.4.07 14:54, kommentieren

Kavalier im Paradies

Montag

Als ich Letztens vom Einkaufen gekommen bin, da habe ich mein Auto auf der anderen Straßenseite geparkt. Das habe ich gemacht, weil schon jemand direkt vor dem Haus geparkt hatte. Der Hermann nämlich. Der Stand an der Haustür und hat geklingelt. Also habe ich gegenüber geparkt und bin ausgestiegen. Das war ein Fehler. Denn der Addi hatte dem Hermann inzwischen die Tür aufgedrückt. Der Hermann wiederum ist aber nicht einfach rein gegangen.

Es war schlimm: der Hermann hatte mich entdeckt. Also ist er einfach mit der Tür so da stehen geblieben. Da bin ich lieber so mit der Tasche da stehen geblieben wo ich war. Was der Hermann so mit Türen macht, das weiß ich ja. Das war mir wirklich zu gefährlich. Vielleicht sind dem Hermann Türen nicht mehr genug? Vielleicht hatte er es auf mich abgesehen. Ich hatte Angst.

Der Hermann hat gelacht und gewinkt. Aber ich war mir nicht sicher, ob es ein diabolisches Lachen wie bei Jack Nicholson war oder ob er mir nur die Tür aufhalten wollte. Ich bin nämlich ein bißchen weitsichtig. Aber selbst wenn er nett sein wollte. Mir war das zu gefährlich. Wer will denn schon von Hermann gegen die Wand geschleudert werden. Ich nicht jedenfalls und auch nicht aus Nettigkeit.

Also habe ich mich ganz schnell hinter meinem Auto versteckt. Dummerweise ist mir dabei die Einkaufstüte aus der Hand gerutscht und die ganzen Orangen sind unter dem Auto durch gekullert. Bis auf die andere Straßenseite. Aber lieber die Orangen als ich, habe ich mir gesagt. Neue Orangen kann man schnell kaufen. Eine neue Hüfte ist etwas umständlicher. Da bin ich geblieben wo ich war. Als ich nach oben kam lagen die Orangen vor meiner Wohnungstür. Das war wohl der Hermann gewesen.

Das fand ich eigentlich ganz nett. Die jungen Leute...

Doris

16.4.07 23:36, kommentieren

Chefgebrüll im Paradies

Donnerstag

Eva hat geweint. Ich weiß das. Sie hat nämlich auf dem Balkon geweint. Wenn sie das laut genug tut, dann kann ich das auch auf meinem Balkon hören. Laut und deutlich, ganz ohne zu lauschen. Und gestern, da hat sie es laut genug getan. Ich war ganz überrascht. Nicht weil Eva geweint hat, sondern es war gar nicht wegen Addi. Sie hat wegen ihrem Chef geweint. Ihr Chef hat sie auf der Arbeit angeschrie’n und das wohl auch nicht zum ersten Mal. Hat sie zumindest ihrer Freundin erzählt. Über das Telefon natürlich. Die Freundin war nicht auf dem Balkon.

Also das mit dem Gebrüll vom Chef war so: Eva hat eigentlich gar nichts falsch gemacht. Sie hat das gemacht was sie immer macht. Sie fand sogar, dass es ein toller Tag war und sie so richtig gut gearbeitet hatte. Aber dann kam die Katastrophe, ganz plötzlich: ihr Chef hat sie angebrüllt. Einfach so. Und sie wusste nicht mal wieso und er hat gebrüllt, sie würde ja niemals nix merken. Deshalb hat sie weinen müssen. Also, ich verstehe ja dass das blöd ist, wenn man angebrüllt wird. Ich kann auch verstehen, dass Eva dann geheult hat. Was ich aber nicht verstehe ist, warum Eva sich immer noch so aufregt und jetzt über Kündigung nachdenkt. Am Telefon mit ihrer Freundin auf dem Balkon.

Eva müsste das doch gewöhnt sein. Addi brüllt doch auch ständig rum. Und bei dem denkt sie nicht über Kündigung nach. Zumindest nicht laut und auch nicht auf dem Balkon. Aber eigentlich ist das mit dem Addi ja auch ganz anders. Der brüllt ja nicht wenn Eva das macht was sie immer macht. Der brüllt meistens nur dann, wenn sie mal was anders macht. Zum Beispiel wenn das Essen abends noch nicht fertig ist oder wenn Eva auf der Einweihungsparty vor der ganzen Clique Mucken macht. Addi brüllt aus Überraschung. Vielleicht brüllt der Chef ja aus Langeweile. Vielleicht sollte die Eva mal was anders machen. Zum Beispiel vor den Kollegen mucken.

Ich finde das alles sehr traurig. So viel Aufregung...

Doris

3 Kommentare 19.4.07 23:27, kommentieren



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