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Ärger im Paradies

Samstag 

Gestern hatte Addi seine Einweihungsparty. Alle Jungs waren da, die ganze Clique eben. Ich war nicht eingeladen, das fand ich scheiße! Aber dann war ich doch irgendwie dabei, laut genug war es ja.

Zuerst war die Stimmung super und die Musik scheiße. Dann hat man die Musik nicht mehr gehört, weil Addi so laut gebrüllt hat. Seine Freundin Eva hatte gemuckt. Das war auch nicht so doll, so vor all den Jungs aus der Clique bockig zu sein. Das er das nicht toll findet, hätte sich die Dumpfbacke auch denken können.

Aber Eva ist nunmal nicht so helle. Das hat man schon daran gemerkt, dass sie zur Wohnungstür raus ist und die Tür hinter sich zugeknallt hat. Bißchen dumm das: Bier und Essen und Musik drinnen, Eva draußen. Aber dadurch leider um so deutlicher auch in meiner Wohnung zu hören. Addi hatte zu Eva gesagt, sie soll sich verziehen. Nicht so nett, schließlich zahlt sie die Hälfte der Miete - glaube ich zumindest.

Also hat Eva gesagt, sie geht nicht mehr zurück, Addi hats ja nicht anders gewollt. Aber ich wollte das ganz anders - ährlich. Also mal echt, nach nur einer Woche zusammen leben schon Gebrüll und Türenknallen und Schimpf und Schande. Wo bleibt denn da die Romantik?

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

1 Kommentar 11.3.07 20:04, kommentieren

Feuer im Paradies

Sonntag

Gestern Abend war Einweihungsfeiernachparty. Vielleicht war es aber auch die Einweihungsparty von Evas Freunden. Vielleicht ist das nötig, weil Evas Freunde die Freunde von Addi nicht leiden können und umgekehrt. Also so ein bißchen wie bei Romeo und Julia. Schon ein bißchen romantisch!

Aber egal, jedenfalls war Samstagabend Party. Diesmal hat man die Musik auch länger gehört, weil Addi erst um 6 Uhr morgens angefangen hat zu brüllen und Eva ist diesmal auch nicht heulend und türenknallend nach draußen gerannt. Hat halt dazu gelernt, die Gute. Wäre auch echt blöd gewesen um 6 Uhr morgens bei uns im Hausflur.

Also es war so: Eva und Addi mögen offensichtlich keinen Rauch in ihrer Wohnung. Das kann ich verstehen. So mussten die Kumpels raus ins Treppenhaus. Gar nicht so dumm gedacht, denn da ist ja genügend Platz für alle und es stört einen auch keiner, wenn nicht gerade Eva das Treppenhaus heulend und türenknallend heimsucht.

Na ja, jedenfalls haben sie das Treppenhaus gut eingeräuchert und vielleicht wäre auch jemand an einer Rauchvergiftung gestorben, wenn nicht, ja wenn nicht der ganze Mist durch den Spalt meiner Wohnungstür zu mir in den Flur gezogen wäre. Das schaffte eine gewisse Entlastung. Zumindest im Treppenhaus.

Also ich habe ja echt nichts gegen Raucher. Bestimmt nicht. Ich kenne da einen und der ist auch ganz in Ordnung, aber ich finde die hätten bescheid sagen können. Ich habe erst gedacht es brennt! Das war vielleicht ein Schreck. Aber dann war doch bald klar, dass es nur Zigarettenrauch ist. Zum Glück.

Das Ehepaar Kaplan ein Stockwerk tiefer ist auch nicht mehr das jüngste. Man muss sich das mal vorstellen: ER stürzt auf der wilden Flucht vor dem eingebildeten Feuer und bricht sich den Oberschenkelhals. Oder SIE fällt vor Schreck in Ohnmacht und knallt mit dem Kopf gegen das Telefontischchen. Na das hätte ja vielleicht mal was werden können.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

 

12.3.07 21:16, kommentieren

Müll im Paradies

Montag

Also ein steht mal fest: Addi und Eva sind sehr reinliche Menschen. Müll in der Wohnung kommt ihnen nicht in die Tüte. Na ja, in die Tüte eigentlich schon – in einen Gelbmüllsack genau genommen. Die Gelbmüllsäcke kamen dann aber auch ganz schnell aus der Wohnung raus. In den Hausflur genaugenommen, noch genauer: genau vor die Verbindungstür von Stoffhalle Helmig, die ihre Mitarbeitertoillette in unserem Teil des Hauses haben.

Und für die die es interessiert: es waren zwei und die waren schon am Sonntagmittag da. Also ich versteh das nicht. Die sind gerade mal eine Woche in der Wohnung und schon haben sie zwei Gelbmüllsäcke voll gemacht. Ich schaffe gerade mal einen Sack im Monat. Okay die sind zu zweit und noch jung, die müssen sicherlich viel essen, aber mal ehrlich Leute: muss das sein?

Solche Leute machen ratzifatzi auch die Biomüll-Tonne und die Graumüll-Tonne voll. Und wo bleiben dann wir anderen? Wir ersticken dann in unserem Müll und in dem von Eva und Addi noch dazu, weil die ja ihren Gelbmüll auch noch im Hausflur lagern. Als hätte ich dann nicht genug mit meinem eigenen Müll zu tun und der wird ja nur einmal im Monat abgeholt. Bei zwei Säcken Gelbmüll pro Woche macht das bis zur nächsten Abholung mindestens 8 (in Worten: acht) Gelbmüllsäcke!

Wie soll der arme Herr Kaplan mit seiner maladen Hüfte denn gegen Ende März überhaupt noch zur Haustür raus kommen? Und die Mitarbeiter von Stoffhalle Helmig müssen entweder auf Getränke verzichten oder über eine Strickleiter außen an der Hauswand hoch und dann durchs Fenster im ersten Stock rein.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

 

12.3.07 21:49, kommentieren

Tassenlos im Paradies

Mittwoch 

Addi und Eva hatten am Sonntag keine Milch im Haus. Vielleicht haben sie auch nie Milch im Haus. Vielleicht liegt das daran, dass sie keine Milch vertragen. Das haben jetzt viele Leute. Vielleicht weil es modern ist.

Na jedenfalls stand deshalb am Sonntagmorgen eine junge Frau vor meiner Tür. Ich hatte das gleich bemerkt, denn sie hatte geklingelt. Sie fragte, ob ich nicht vielleicht etwas Milch für sie hätte. Hatte ich natürlich. Das versteht sich so unter Nachbarn. Obwohl, Nachbarn waren wir ja gar nicht. Vielleicht kann man sagen wir waren temporäre Nachbarn.

Ich hoffe doch sehr die junge Frau war eine Freundin von Eva. Ansonsten fände ich das ein bißchen bedenklich, aber nicht weiter überraschend – nach der ganzen Brüllerei, Weinerei und Türenknallerei am Wochenende.

Jedenfalls wollte ich ihr nicht die ganze Milchtüte mitgeben und sie hatte definitiv zu kleine Hände. Deshalb habe ich ihr die Milch in einer Tasse geliehen. Also die Tasse habe ich geliehen und die Milch habe ich geschenkt. Ich kann ja verstehen, dass man keine Milch verträgt. Dass man in solch einem Fall bei Besuch dann auch keine Milch im Haus hat, versteht sich. Aber ich verstehe nicht, dass man vier Tage braucht, um eine Tasse Milch leer zu trinken.

Ich meine, die wird ja über die Tage auch nicht besser und wir haben jetzt Mittwoch! Außerdem hätte sie zwischenzeitlich ja auch eigene Milch kaufen können. Jetzt wo nicht mehr Sonntag ist. Das ist auch gar nicht hygienisch. Also die Milch in der Tasse und das vier Tage lang.

Eins ist sicher: wenn ich die Tasse zurück bekomme, dann werde ich sie im Geschirrspüler auf 70° spülen – Minimum! Diese Milchsäurebakterien sollen ja echt fies sein. Selber so heiß spülen kann ich ja nicht, ich würde mir die Hände verbrennen. Das mit der Tasse scheint mir inzwischen richtig gefährlich. Da sollen sie die Tasse besser behalten. Meine Gesundheit ist wichtiger.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

1 Kommentar 14.3.07 19:02, kommentieren

Papstlos im Paradies

Donnerstag 

Heute habe ich ein Päckchen bekommen. Addi hat es vorbei gebracht. Genau genommen habe ich das Päckchen schon am Dienstag bekommen. Aber da war ich nicht zu Hause. Ist ja auch klar, ich muss schließlich Geld verdienen und der Postbote und ich verdienen unser Geld zur selben Zeit. Addi verdient sein Geld offensichtlich zu anderen Zeiten als der Postbote, deshalb war er zu Hause und hat mein Päckchen angenommen. Ist schon nett von ihm.

Steht Addi also mit dem Päckchen da und sagt: "Sie sind ja schwerer zu erreichen als der Papst!". Weil er nämlich das Päckchen schon seit Dienstag bei sich gelagert hat. Er hat es jeden Tag einmal bei mir versucht – Minimum! Aber ich war nie da. Wahrscheinlich hat er geklingelt, wenn der Postbote noch gearbeitet hat. Wie gut, dass ich heute früher mit der Arbeit Schluss gemacht habe. Manchmal ist so eine Migräne doch zu was gut.

Ich kann schon verstehen, dass ihm das nicht gepasst hat mein Päckchen so lange zu lagern. So 20x20x18 cm nehmen auch Platz weg. Das sind immerhin 7200 Kubikcentimeter, also quasi 72 Kubikmeter! Was man damit alles machen könnte. Aber besser als den Unterton hätte ich gefunden, wenn er mir auch meine Tasse gebracht hätte. Dann hätte er noch mehr Platz gehabt.

Also hab ich gesagt, er hätte das Päckchen ruhig an die Wohnungstür stellen können. Die Haustür ist ja immer zu und so kommen die Lumpen da nicht rein. Aber das wollte er nicht. Er meinte, er könne seinen Kumpels nicht trauen und die kommen ja ins Haus rein und an der Tür vorbei. Jetzt kann ich mir denken, wo meine Tasse geblieben ist.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

1 Kommentar 15.3.07 19:51, kommentieren

Hermann im Paradies

Sonntag

Gestern war ich einkaufen. Das ist nichts besonderes, das mache ich öfters. Vor allem samstags, da kaufe ich alles ein, was ich für die Woche so brauche. Gestern war das so. Also hatte ich die ganzen Hände mit Tüten voll. Nicht dass ich verschwenderisch wäre, aber es muss ja schließlich die Woche über reichen und ich bin ein guter Esser. Das war ich schon immer, schon als Kind war ich das. Ich finde: ausgewachsene Menschen sollten auch ausgewachsen essen. So halte ich das.

Jedenfalls kam ich so bepackt an die Haustür. Und wie ich in der Manteltasche nach meinem Schlüssel suche, kommt Addi mit einen Kerl um die Hausecke. Die schauen also dabei zu, wie ich nach dem Schlüssel angele und wie ich den gefunden habe, stoße ich mit dem Fuß ein bißchen gegen die Tür. So mache ich das immer wenn ich die Hände so voll habe. Ich stoße ein bißchen mit dem Fuß und dann mit der Schulter und schon bin ich drin. So wollte ich das gestern auch machen.

Und wie ich so mit dem Fuß stoße, springt der Freund von Addi an mir vorbei und gibt der Tür einen Stoß dass sie nach innen gegen die Wand fliegt. Volle Lotte – Minimum! Also so geht das doch nicht. Der kann doch nicht einfach hinter mich springen und die Tür in die Wand rammen. Ist ja schließlich nicht seine Tür. So eine Tür ist ja auch nicht unkaputtbar und die Wand in die sie gerammt wurde schon gar nicht. Aber manchmal frage ich mich schon: wenn die Tür gegen die Wand kämpfen würde, wer würde dann wohl gewinnen?

Der hatte sich ja noch nicht mal vorgestellt. Das finde ich irgendwie unhöflich. Ich weiß eben gerne, mit wem ich es zu tun habe. Aber ich finde er wirkt wie ein Hermann. So Hermänner knallen auch Türen gegen Wände. Was man so hört jedenfalls. Ich hoffe der kommt jetzt nicht öfter. Das wird teuer und Typen wie der, die klauen auch Tassen.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

18.3.07 19:34, kommentieren

Putzalarm im Paradies

Mittwoch

Eva stand mal wieder vor der Tür. Zumindest glaube ich, dass es Eva war. Wer kann das schon so genau wissen und vorgestellt hat sie sich ja nie. Hat sie auch gestern nicht. Sie hatte wichtigeres im Sinn. Sie wollte mit mir über den Putzplan sprechen. Das hat mich überrascht. Schließlich hat sie Ihre Gelbsäcke tagelang im Hausflur stehen lassen. Ohne die erhöhte Unfallgefahr wären die wohl noch heute da. Nicht das mich das gestört hat. Ich habe mich halt nur gesorgt, um den Herrn Kaplan und seine maladen Hüfte.

Jedenfalls will Eva mit mir also über den Putzplan sprechen. Ich habe ihr gesagt, ich finde das etwas seltsam. Wir hatten früher nie einen Putzplan. Wir haben halt nie was dreckig gemacht. Das ist ja auch ganz einfach. Schließlich wohnen wir im zweiten Stock. Wenn man sich unten die Füße abwischt und dann ganz langsam vom Eingang in den ersten Stock geht, dann ist der ganze Dreck schon weg bevor man im Putzbereich des zweiten Stocks ankommt.

Das habe ich ihr auch erklärt. Aber verstanden hat sie das wohl nicht. Jedenfalls guckt sie so und sagt dann, dass ich einfach mal Bescheid geben soll und dann würden sie und Addi mit dem Putzen anfangen. Komisch ist das schon. Das die lieber sauber machen als sauber lassen.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

21.3.07 18:51, kommentieren



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