reflections

Telefonterror im Paradies

Freitag

Gestern hat Addi wieder gebrüllt. Nicht das ich gelauscht hätte. Aber es war gestern auch recht warm draußen. Da standen überall die Fenster offen. Das ist ja nicht meine Schuld. Es kann ja auch keiner erwarten, dass ich alle Fenster zu mache. Bloß weil Addi brüllt. Eva war an allem schuld. Sie hat nämlich telefoniert. Aber Addi hat gar nicht gebrüllt, weil Eva einmal telefoniert hat. Addi hat gebrüllt, weil Eva immer telefoniert. Als ich halte das ja ein bisschen für übertrieben.

Aber viel muss das mit der Telefoniererei von der Eva schon sein. Schließlich ist der Addi sonst auch kein Blitzmerker. Am schlimmsten findet der Addi, dass die Eva immer mit Ihrer Mutter telefoniert. Schließlich ist sie schon einundzwanzig Jahre alt. Außerdem hätte sie dann nicht ausziehen müssen. Findet der Addi. Und außerdem wohnt die Mutter ja auch nur vier Straßen weiter.

Vielleicht will der Addi aber auch nur, dass die Eva mehr mit ihm spricht. Also zumindest mehr als mit anderen. Das ist doch irgendwie romantisch. Aber die Eva spricht mehr mit ihrer Mutter. Das fände ich auch doof. Wenn ich der Addi wäre zumindest. Vielleicht irritiert es den Addi aber auch nur beim Brüllen. Ich meine, wenn die Eva die ganze Zeit einen Hörer ans Ohr hält. Vielleicht denkt er aber auch nur, dass die Eva ihn nicht so recht hören kann, weil ja ein Ohr zu ist. Wegen dem Hörer. Vielleicht brüllt der Addi nur deshalb?

Was ich aber nicht verstehe ist, warum der Addi sich so über die Kosten aufregt. Und das hat er. Ich habe das gehört. War ja laut genug. Kennt er denn gar nicht DSL und Flatrate und das alles? Da kostet das Telefonieren überhaupt nix mehr. Alles inklusive, wie beim Urlaub in Ägypten. Dann gäb’s auch keinen Ärger mehr wegen der Kosten. Und dann hätte der Addi auch keinen Grund mehr zu brüllen. Vielleicht hat der Addi deshalb keine Flatrate.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

27.4.07 07:13, kommentieren

Cupnapping IV, oder: Panik im Paradies

Dienstag

Mir wird das langsam alles zu viel. Die Geiseltasse einfach mitzunehmen war eine dumme Idee. Ich will diese Tasse nicht mehr in meiner Wohnung haben. Ständig starrt sie mich vorwurfsvoll an. Ich weiß nicht mehr ein noch aus. Ich kann sie ja nicht einfach in den Müll schmeißen. Wenn die jemand finden würde. Außerdem würde sie mich dann immer noch jedes Mal anstarren, wenn ich den Müll runter bringe. Ich könnte natürlich einfach einen Müllsack drauf werfen. Aber dann wüsste ich ja immer noch, dass sie da ist. Und unter dem Müllsack vorwurfsvoll guckt.

Jetzt habe ich immer ein bißchen Angst, wenn es klingelt. Es könnte ja Addi sein, oder Eva. Vielleicht kommen sie ja, um ihre Tasse zu suchen. Ich habe auch immer ein bißchen Angst, wenn die mich im Hausflur ansprechen. Ich gehe dann immer ganz schnell weiter. Gestern hat mich Eva so komisch angeguckt. So als ahnte sie was. Meine Nerven machen das wirklich nicht mehr lange mit.

Ich könnte die Geiseltasse natürlich im Wald verscharren. So habe ich das ja auch mit den Resten vom Erpresserbrief gemacht. Aber wirklich wohl ist mir nicht dabei. Was, wenn so ein kleines Kaninchen die Tasse ausbuddelt. Dann kann es mit dem Kopf in den Henkel von der Tasse geraten. Und stecken bleiben. So was passiert auch mit den Möwen und den Plastiktüten. Das sieht man doch so oft im Fernsehen. Das ist dann ein Elend. Dann guckt mich statt der Tasse ein Kaninchen vorwurfsvoll an. Dann doch lieber die Tasse. Die ist nicht so niedlich und fluffig.

Am Einfachsten wäre ja, wenn mich Addi und Eva zum Kaffee nach Hause einladen. Dann könnte ich einfach auf die Toilette gehen und die Tasse hinterm Klo verstecken. Das kann ja mal passieren, dass man da was hinstellt und dann vergisst. Aber ich fürchte, Addi und Eva sind nicht so für Einladungen zum Kaffee.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

28.2.05 17:13, kommentieren

Zugluft im Paradies

Sonntag

Gestern war ich mal wieder einkaufen. Das war auch nötig, weil ich kein Apfelmus mehr im Haus hatte. Und für Reibekuchen braucht man Apfelmus. Das ist bekannt. Also bin ich einkaufen gegangen. Wie ich dann so nach Hause kam, da stand doch tatsächlich die Haustür offen. Vor der Tür stand ein Kerl und hat geraucht. Aber draußen. Drinnen stand nämlich ein kleiner Koffer. Ich kannte weder den Kerl noch den Koffer. Aber ich habe so getan, als wäre das alles ganz normal.

Ich bin einfach durch die offene Tür gegangen und habe gesagt: Hallo!. Ganz ruhig. Dann habe ich meinen Briefkasten aufgemacht. Wieder ganz ruhig. Ich habe auch wirklich nicht geglaubt, dass in dem Koffer eine Bombe ist. Wozu soll denn auch jemand in unserem Haus eine Bombe zünden. Schließlich sind wir nicht in den Irak-Krieg verwickelt. Und in Afghanistan ist auch keiner aus dem Haus stationiert. Auch kein Verwandter. Da war ich mir sicher. Dann habe ich aber doch Angst bekommen.

Vielleicht hat ja einer aus dem Haus die Bombe gebaut. Vielleicht weil er ein überzeugter Muselman ist. Und der rauchende Kerl ist ein Helfer. Oder ein Kurier oder ein Schläfer oder sonstwer. Je mehr ich darüber nachdenke: er sah ein bißchen müde aus. Vielleicht hat ja sogar der Addi mit der Bombe zu tun. Der schreit ja die Eva immer an. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass das im Islam so üblich ist. Ich will ja keinem was unterstellen, aber vielleicht ist der Addi ein Muselman. Wenn auch ein verborgener. Ansehen tut man ihm das jedenfalls nicht. Ich habe mir dann das Gesicht von dem Fremden ganz genau eingeprägt. Natürlich unauffällig. Wegen der Zeugenaussage. Falls die den Reichstag sprengen.

Plötzlich hat der Fremde seine Zigarette weg geworfen und mit Füßen getreten. Und hat den Koffer genommen und wollte die Tür zumachen. Ich habe aber gesagt: ach was, das ist doch kein Problem, die lassen wir auf. Da hat er gesagt: ich warte nur auf den Kollegen. Aber ich wollte dass die Tür offen bleibt. Wegen der Zeugenaussage. Aber er hat gesagt: das gibt doch Zugluft, mit der offenen Tür. Da hatte er natürlich recht. Aber geglaubt habe ich ihm nicht.

Ich finde das alles sehr beängstigend. Die jungen Leute...

Doris

3 Kommentare 28.2.05 17:13, kommentieren

Nachtrag: Chefgebrüll im Paradies

Übrigens:
Eva hätte mal besser bei
Constanzia nachgelesen.
Dann klappt's auch mit dem Chef.

Ganz großes Kino!

Peace und Paradies und so
Doris

23.4.07 22:37, kommentieren

Chefgebrüll im Paradies

Donnerstag

Eva hat geweint. Ich weiß das. Sie hat nämlich auf dem Balkon geweint. Wenn sie das laut genug tut, dann kann ich das auch auf meinem Balkon hören. Laut und deutlich, ganz ohne zu lauschen. Und gestern, da hat sie es laut genug getan. Ich war ganz überrascht. Nicht weil Eva geweint hat, sondern es war gar nicht wegen Addi. Sie hat wegen ihrem Chef geweint. Ihr Chef hat sie auf der Arbeit angeschrie’n und das wohl auch nicht zum ersten Mal. Hat sie zumindest ihrer Freundin erzählt. Über das Telefon natürlich. Die Freundin war nicht auf dem Balkon.

Also das mit dem Gebrüll vom Chef war so: Eva hat eigentlich gar nichts falsch gemacht. Sie hat das gemacht was sie immer macht. Sie fand sogar, dass es ein toller Tag war und sie so richtig gut gearbeitet hatte. Aber dann kam die Katastrophe, ganz plötzlich: ihr Chef hat sie angebrüllt. Einfach so. Und sie wusste nicht mal wieso und er hat gebrüllt, sie würde ja niemals nix merken. Deshalb hat sie weinen müssen. Also, ich verstehe ja dass das blöd ist, wenn man angebrüllt wird. Ich kann auch verstehen, dass Eva dann geheult hat. Was ich aber nicht verstehe ist, warum Eva sich immer noch so aufregt und jetzt über Kündigung nachdenkt. Am Telefon mit ihrer Freundin auf dem Balkon.

Eva müsste das doch gewöhnt sein. Addi brüllt doch auch ständig rum. Und bei dem denkt sie nicht über Kündigung nach. Zumindest nicht laut und auch nicht auf dem Balkon. Aber eigentlich ist das mit dem Addi ja auch ganz anders. Der brüllt ja nicht wenn Eva das macht was sie immer macht. Der brüllt meistens nur dann, wenn sie mal was anders macht. Zum Beispiel wenn das Essen abends noch nicht fertig ist oder wenn Eva auf der Einweihungsparty vor der ganzen Clique Mucken macht. Addi brüllt aus Überraschung. Vielleicht brüllt der Chef ja aus Langeweile. Vielleicht sollte die Eva mal was anders machen. Zum Beispiel vor den Kollegen mucken.

Ich finde das alles sehr traurig. So viel Aufregung...

Doris

3 Kommentare 19.4.07 23:27, kommentieren

Kavalier im Paradies

Montag

Als ich Letztens vom Einkaufen gekommen bin, da habe ich mein Auto auf der anderen Straßenseite geparkt. Das habe ich gemacht, weil schon jemand direkt vor dem Haus geparkt hatte. Der Hermann nämlich. Der Stand an der Haustür und hat geklingelt. Also habe ich gegenüber geparkt und bin ausgestiegen. Das war ein Fehler. Denn der Addi hatte dem Hermann inzwischen die Tür aufgedrückt. Der Hermann wiederum ist aber nicht einfach rein gegangen.

Es war schlimm: der Hermann hatte mich entdeckt. Also ist er einfach mit der Tür so da stehen geblieben. Da bin ich lieber so mit der Tasche da stehen geblieben wo ich war. Was der Hermann so mit Türen macht, das weiß ich ja. Das war mir wirklich zu gefährlich. Vielleicht sind dem Hermann Türen nicht mehr genug? Vielleicht hatte er es auf mich abgesehen. Ich hatte Angst.

Der Hermann hat gelacht und gewinkt. Aber ich war mir nicht sicher, ob es ein diabolisches Lachen wie bei Jack Nicholson war oder ob er mir nur die Tür aufhalten wollte. Ich bin nämlich ein bißchen weitsichtig. Aber selbst wenn er nett sein wollte. Mir war das zu gefährlich. Wer will denn schon von Hermann gegen die Wand geschleudert werden. Ich nicht jedenfalls und auch nicht aus Nettigkeit.

Also habe ich mich ganz schnell hinter meinem Auto versteckt. Dummerweise ist mir dabei die Einkaufstüte aus der Hand gerutscht und die ganzen Orangen sind unter dem Auto durch gekullert. Bis auf die andere Straßenseite. Aber lieber die Orangen als ich, habe ich mir gesagt. Neue Orangen kann man schnell kaufen. Eine neue Hüfte ist etwas umständlicher. Da bin ich geblieben wo ich war. Als ich nach oben kam lagen die Orangen vor meiner Wohnungstür. Das war wohl der Hermann gewesen.

Das fand ich eigentlich ganz nett. Die jungen Leute...

Doris

16.4.07 23:36, kommentieren

Cupnapping III, oder: Befreigungskommando im Paradies

Samstag

Ich hatte eine Idee. So kann das mit der Geiseltasse nicht weitergehen. Langsam wird mir auch unwohl mit diesem lebenden Tassenbeweis in meiner Wohnung. Das meine ich natürlich sprichwörtlich. Ich glaube natürlich nicht wirklich, dass die Geiseltasse lebt. Ich bin doch nicht verrückt. Da hatte ich also eine Idee und habe mir gedacht, dass ich einfach einen Tassemaustausch vornehme. Ganz alleine, ohne dass es jemand sieht. Quasi informell. Wie der CIA.

Also habe ich die Geiseltasse in meine Jackenstasche gesteckt und bin rüber zu Addi und Eva. Dann habe ich geklingelt. Eva hat aufgemacht. Da habe ich sie freundlich gefragt, ob denn bei Ihnen an der Wand auch so ein wässriger Fleck ist. Unsere Wohnungen teilen sich nämlich eine Wand. Das war natürlich ein Trick, aber es wäre möglich gewesen. Schließlich hat es die Tage viel geregnet. Wäre gut möglich gewesen, dass es rein geregnet hat. Wenn, dann nicht zum ersten Mal. Eva hat gefragt, wo denn genau. Aber das konnte ich dann nicht so gut beschreiben, weil die ja meine Wohnung auch gar nicht kennt. Also hat sie gesagt, dass ich rein kommen soll, um es ihr zu zeigen. Uns schwups, schon war ich in der Wohnung drin.

Wo ich dann drin war, habe ich mit einem Auge auf den Weg geachtet. Aber mit dem anderen Auge, da habe ich auf das Geschirr geachtet. Ich wollte schauen, ob ich vielleicht meine Tasse sehe. Die hätte ich mir dann ganz schnell gegriffen und raus aus der Wohnung. Ich habe sie aber nicht gesehen. Genau genommen habe ich gar keine Tasse gesehen. Nur dreckige Teller. Mit Pizza drauf. Vielleicht hätte ich besser Morgens kommen sollen. Wegen dem Kaffeetrinken und so. Aber Addi und Eva gehen ja schon um 7 Uhr los zur Arbeit. Vielleicht mal an einem Sonntag.

Also habe ich schnell auf eine Stelle gezeigt und gesagt: Oh! Gut dass es bei Ihnen nicht rein geregnet hat. Na, dann schönen Tag noch. Dann bin ich ganz schnell wieder gegangen. Ohne meine Tasse. Und ohne Beweise. Aber mit der Geiseltasse.

Ich finde das alles sehr traurig. So viel Aufregung...

Doris

1 Kommentar 14.4.07 14:54, kommentieren



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