reflections

Die nächste Folge

Cupnapping VI, oder: List im Paradies

erscheint am Donnerstag an dieser Stelle 

Peace im Paradies!

16.5.05 17:13, kommentieren

Feueralarm im Paradies

Samstag

Gestern war die Nacht wieder ein bisschen aufregend. Addi und Eva hatten nämlich wieder mal eine Party. Mit allem drum und dran. Hermann war auch da. Hermann war aber nicht das Problem. Firex war das Problem. Das ist unser neuer Rauchmelder. Den haben wir nämlich seit drei Tagen. Ich fand dass das nötig war. Weil nämlich das Ehepaar Kaplan vom ersten Stock ja nicht mehr die Jüngsten sind. Da vergisst man schon mal was. Aus machen zum Beispiel. Adventskränze, Kaffeemaschinen und so. Da kann schnell mal was passieren.

Also habe ich den Vermieter gebeten so einen Rauchmelder zu installieren und einen Rettungsplan auszuarbeiten. Das mit dem Rettungsplan fand er nicht so gut. Aber das mit dem Rauchmelder hat er gemacht. Wegen der Sicherheit. Das hat er eingesehen. Jetzt habe ich über meiner Tür einen Rauchmelder. Das war mir wichtig. Aber so einen Rauchmelder, den muss man ja auch anständig hören. Habe ich mir gedacht. Ich meine auch im Schlaf und so. Deshalb habe ich bei meinem Rauchmelder auch den Hebel für die Lautstärke auf Doppelplus gestellt. Wegen der Sicherheit.

Deshalb kann ich auch nicht verstehen, warum die alte Frau Kaplan das alles mir zum Vorwurf macht. Mir ging es schließlich nur um die Sicherheit. Ich verstehe schon, dass sie die Sache mit Ihrem Mann ein bisschen mitnimmt. Aber es war ja noch nicht einmal ein richtiger Herzinfakt. Bloss so ein bisschen schummerig ist ihm geworden. Wegen dem Schreck. Vielleicht aber auch wegen dem Bier zu viel. Aber das würde die alte Frau Kaplan ja nie zugeben.

Was ich aber überhaupt nicht verstehe ist, warum das meine Schuld sein soll. Ich habe schließlich die Raucherfreunde von Addi und Eva nicht gezwungen sich mitten in der Nacht unter den Rauchmelder zu stellen. Rauchend meine ich natürlich. Das war bestimmt die Eva. Aber die würde das ja nie zugeben. Die klaut ja auch Tassen.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

28.5.07 21:11, kommentieren

Prügel im Paradies

Mittwoch

Das mit der Verrohung der Jugend ist schlimm. Addi ist auch völlig verroht. Das habe ich schon immer gewusst, aber seit gestern habe ich einen Beweis! Und das kam so: Ich hatte gerade einen Spaziergang gemacht. Im Naherholungsgebiet. Das war sehr nett gewesen, denn die Sonne hat so schön geschienen und ich habe auch ein paar Bekannte getroffen. Deshalb war ich sehr entspannt als ich wieder zum Haus kam. Aber da stand ein junger Mann vor der Tür. Vielleicht so Ende Zwanzig. Gekannt habe ich den nicht.

Aber der Addi hat den wohl gekannt. Jedenfalls kam er zur Haustür raus geflogen und dem Kerl direkt an die Gurgel. Gebrüllt hat er dabei nicht. Mehr so geknurrt. Da war ich dann nicht mehr entspannt. Dann hat der Addi noch gerufen: Du Schuft! Und der Hermann ist auch zur Tür raus geflogen. Der war aber nicht gemeint gewesen. Dann wurde es verwirrend. Addi hat an dem Kerl gerissen. Hermann hat an Addi gerissen. Und Eva hat oben am Fenster gestanden und verschreckt geguckt. So lange bis der Addi den Kerl losgelassen hat.

Der Kerl hat dann noch was gerufen von wegen Wahnsinn und Dorftrottel. Dann ist er ins Auto gesprungen und weg. Der Hermann hat den Addi dann noch eine Weile geschüttelt und auf ihn eingeredet. Ich habe aber nicht gehört was. Dann geht wieder die Tür auf und die Eva fliegt raus und dem Addi um den Hals. Aber nicht um ihn zu würgen. Sondern um ihn zu küssen. Sie sind dann alle drei wieder reingegangen. Der Addi mit dem Hermann neben sich und der Eva am Hals. Da konnte ich auch endlich in meine Wohnung. Was da los war weiß ich auch nicht. Mir sagt ja keiner was.

Vielleicht hat der Kerl die Eva schief angeguckt. Oder dem Addi ins Bier gespuckt. Das ist beides nicht sehr nett. Aber dann kam mir ein mulmiger Gedanke: Vielleicht ist der Kerl aber auch ein Islamisten-Aussteiger. Ein bißchen sah er ja so aus. Mit den schönen braunen Augen. Das hätte der Addi dann natürlich nicht akzeptieren können. Das mit dem Aussteigen, meine ich. In jedem Fall ist der Addi jetzt bei der Eva der Held im Erdbeerfeld. Das konnte man sehen. Trotz der Verrohung. Oder vielleicht gerade deswegen.

Ich finde das alles sehr traurig. Die jungen Leute...

Doris

16.5.07 19:17, kommentieren

Cupnapping V, oder: Entsorgung im Paradies (3. Teil)

7. Urlaubstag: Die letzte Chance!

Irgendwie muss man die Geiseltasse doch entsorgen können. Da war ich sicher. In Köln habe ich die Carla dann abgesetzt. Carla wohnt in Köln. Sonst hätte ich das natürlich nicht gemacht. Dann bin ich alleine weiter gefahren. Aber im Kopf hatte ich nur die Entsorgung der Geiseltasse. Hinter Euskirchen bin ich auf einen Rastplatz gefahren. So einen ohne Restaurant und Tankstelle. Aber mit Toilette.

Ich also runter von der Autobahn und rein in die Toilette. Zur Tarnung. So ein Rastplatzklo würde ich natürlich nie in echt benutzen. Wegen der Amöben und so. Die Geiseltasse hatte ich da schon in meiner Tasche versteckt. Auf der Toilette habe ich dann aus meiner Wasserflasche was in die Schüssel gekippt. Damit es echt wirkt. Und ich habe mit einem Tempo die Spülung gedrückt. Wegen der Fingerabdrücke. Das Tempo meine ich. Gespült habe ich wegen der Tarnung.

Dann habe ich die Geiseltasse in Klopapier gewickelt und in eine Plastiktüte getan. Die Tüte hatte ich mir schon an der Ostsee in einem Supermarkt besorgt. Wegen der Rückverfolgung. Auf dem Rückweg zum Auto habe ich das Paket in den Mülleimer geworfen. Aber nicht einfach so. Zuerst habe ich ganz unauffällig alles im Blick gehabt. Als niemand geguckt hat, habe ich das Paket entsorgt. Dann habe ich wieder unauffällig nach links und rechts geschaut und mich noch unauffälliger auf mein Auto zu bewegt. Angekommen bin ich aber nicht. Zumindest nicht unauffällig.

Da springt doch so ein Kerl aus einem LKW! Direkt vor mir und dem Mülleimer. Da habe ich mich sehr erschreckt und der sagt zu mir: Brauchen Sie Hilfe? Da habe ich mich noch mehr erschreckt, weil ich den gar nicht gesehen hatte. Vor lauter Schreck habe ich ihm meine Handtasche auf den Kopf gehauen und bin weggelaufen. Anders kann ich mir das nicht erklären. Das mit der Tasche meine ich. Dann habe ich gedacht, wenn die Geiseltasse gefunden wird. Dann ist das ein Kronzeuge.

Also bin ich wieder zurück und habe die Geiseltasse wieder aus dem Mülleimer geholt. Der Kerl hat mich so angeguckt als würde er sich mein Gesicht merken. Also habe ich ihm die Tasche aufs Auge gehauen. Nur so zur Sicherheit. Hoffentlich hat er sich nicht mein Autokennzeichen gemerkt. Aber der Gedanke kam mir erst zu Hause. Da war es dann zu spät.

Also Urlaub ist das wirklich nicht. Dieser Stress...

Doris

12.5.07 09:52, kommentieren

Cupnapping V, oder: Entsorgung im Paradies (2. Teil)

4. Urlaubstag: Aufgeben gilt nicht!

Ich gebe nicht auf. So ein Rückschlag wie auf der Hinfahrt ist ja nicht das Ende. Aber eines ist sicher: die Geiseltasse muss weg. Weit weg. Und was ist weiter weg als das Meer? Also habe ich eine neue Strategie entwickelt: Treibgut! Das habe ich bei Störtebecker und dem Seewolf gelesen. Ständig gehen Schiffe auf Grund oder sie explodieren. Dann werden die Schiffe an Land geschwemmt. Mit Inhalt. Aber eben nicht am Stück. Das nennt man dann Treibgut. Die Matrosen springen vorher über Bord und ertrinken. Das nennt man dann Wasserleichen. Treibgut ist das nicht.

Jedenfalls habe ich mir gedacht, dass meine Geiseltasse da gar nicht weiter auffällt. Zwischen den ganzen Resten von den toten Schiffen. Aber an unserm Strand war gar kein Strandgut. Nur leere Plastikflaschen und Algen und sonst so fieses Zeug. Das war mir zu riskant. Weil ja die Carla immer alles sieht. Der Strandmeister hat mir das auch erklärt. Das ist wegen der Kurtaxe. Weil die Leute die zahlen, wollen sie’s ordentlich. Deshalb werden nachts die Strandgüter immer weggeräumt. Und die Wasserleichen auch.

Aber ich zahle die Kurtaxe doch auch, habe ich gedacht. Und gesagt wohl auch. Jedenfalls hat der Strandmeister so komisch geguckt. Aber dann hat er gesagt, ich soll’s mal an einem wilden Strand versuchen. Weil man da keine Kurtaxe zahlt, wird da auch nicht aufgeräumt. Also bin ich hingefahren. Carla wollte nicht mit. Das fand ich ganz gut. Weil die ja immer alles sieht. Aber gesagt habe ich das nicht. Der Strand war dann gar nicht so unordentlich wie ich gehofft hatte.

Aber ich war schlau. Ich habe mich einfach in den Sand gesetzt und so getan, als würde ich aus der Tasse trinken. So eine halbe Stunde habe ich da gesessen. Minimum! Dann bin ich aufgestanden. Die Tasse habe ich einfach im Sand stehen lassen. Das fand ich ganz schlau von mir. Leider war ich nicht als Einzige schlau. Nämlich wie ich so ganz unauffällig zu meinem Auto gehen will, da ruft ein kleiner Junge: Maaaaaamaaaaa, die Tante hat ihren Müll liegen lassen. Ich habe mir dann ganz schnell die Geiseltasse gegriffen und was von Lieblingstasse gemurmelt. Und dann weg. Da heißt es dann immer, Kinder wären ein Segen. Finde ich nicht.

Also Urlaub ist das wirklich nicht. Dieser Stress...

Doris

10.5.07 07:44, kommentieren

Cupnapping V, oder: Entsorgung im Paradies (1. Teil)

1. Urlaubstag: Versuchen kann man’s ja mal.

Mir ist ganz elend. Ich hatte nämlich eine gute Idee. Fand ich zumindest am Anfang. Also als ich sie hatte meine ich. Jetzt finde ich das nicht mehr. Ich bin mit meiner Freundin Carla in Urlaub gefahren. An die Ostsee. Für eine Woche. Das ist eine lange Autofahrt. Da habe ich gedacht, da kann ich die Geiseltasse gut unterwegs verschwinden lassen. Merkt ja keiner. Und kennen tut die Geiseltasse da oben im Norden auch keiner. Da war ich mir sicher. Ich meine, falls sie gefunden wird.

Ich wusste auch schon genau wo. Hinter Osnabrück ist eine Raststätte. Da halte ich immer an. Weil die Raststätte über die Autobahn geht. Wie eine Brücke. Nur eben als Raststätte. Das finde ich aufregend. Außerdem ist da Selbstbedienung. Auch beim Abräumen. Da könnte ich die Geiseltasse doch gut drunter mischen. Also unter das ganze Geschirr. Hatte ich mir so gedacht.

Bereits auf dem Parkplatz hatte ich mir ganz gewitzt die Geiseltasse in die Handtasche gesteckt. Ohne dass die Carla was merkt. Nämlich als sie im Seitenspiegel ihr Make-up kontrolliert hat. Das macht sie immer. Deshalb wusste ich das. Drinnen habe ich einfach meinen Selbstbedienungs-Kaffee in die Geiseltasse gefüllt. Da war ich dann doch nervös. Aber es hat keiner was gesagt. Außer Carla. Die sieht alles und kommentieren tut sie dann auch immer. Eben auch das mit der Geiseltasse. Ich hab‘ dann gesagt: Och. Aus der eigenen Tasse schmeckt’s halt am Besten. Geht sie ja schließlich auch gar nichts an.

Nach dem Kaffee musste Carla natürlich gleich wieder auf Toilette. Aber das war mir ganz recht. Schnell habe ich einfach mein Tablett in den Selbstbedienungs-Abräumwagen gestellt. Die Geiseltasse habe ich einfach drauf stehen lassen. Das war der Trick dabei. Dann habe ich auf Carla gewartet. Besser hätte ich ihr Tablett auch abgeräumt. Weil Carla sieht ja immer alles. Auch das mit der Geiseltasse. Also kam sie mit ihr zurück. Also Carla mit der Geiseltasse meine ich. Die ganze Fahrt über hat sie darüber gesprochen. Von wegen Kopf verlegen und was ich ohne sie machen würde. Da hatte ich dann den Peter.

Also Urlaub ist das wirklich nicht. Dieser Stress...

Doris

8.5.07 23:19, kommentieren


Doris macht Ostsee-Ferien, eine ganze Woche lang. Yiepieh yeah yeah!
Weiter gehts am Di. 9.5.2007

mit dem Auftakt einer Dreifachfolge zum
Thema Geiseltassen-Entsorgung

Peace im Paradies & viel Spaß!


2 Kommentare 26.4.07 17:13, kommentieren



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